Jessica Schwarzer im Interview: „Nicht nur Männersache“

Plassen Buchverlage 

„Nicht nur Männersache“

Jessica Schwarzer im Interview mit DER AKTIONÄR

Die renommierte Finanzjournalistin und Bestsellerautorin Jessica Schwarzer widmet sich in ihrem neuen Buch „Damit sie sich keinen Millionär angeln muss“ dem Top-Thema Finanzen für Frauen.

 

DER AKTIONÄR: Frau Schwarzer, warum brauchen Frauen einen speziell auf sie zugeschnittenen Ratgeber?

Jessica Schwarzer: Frauen wollen anders angesprochen werden als Männer – weniger „höher, schneller, weiter“ – und in ihrer speziellen Lebenssituation abgeholt werden. Sie stehen finanziell meist schlechter da, denn sie haben eine andere Erwerbsbiografie als Männer. Sie wählen oft schlechter bezahlte Jobs, machen weniger schnell Karriere, legen Pausen ein, um Kinder zu erziehen, arbeiten oft nur in Teilzeit. Kein Wunder, dass sie im Schnitt 22 Prozent weniger verdienen. Das macht sich langfristig bemerkbar – beim Vermögensaufbau und der Altersvorsorge. Ihre Rentenlücke ist noch größer als die der Männer. Dafür will ich sensibilisieren und Wege aus dem Dilemma aufzeigen.

 

Welche Themenbereiche werden in Ihrem Buch angesprochen? Geht es nur um die Aktienanlage?

Es geht um Finanzen: vom Notgroschen über die Absicherung von Alltagsrisiken (also Versicherungen wie Haftpflicht oder Berufsunfähigkeit), den Immobilienkauf, die betriebliche und private Altersvorsorge mit Rentenversicherungen, Riester, Rürup und Fonds- beziehungsweise ETF-Sparplänen bis zum Vermögensaufbau mit Aktien. Denn die Aktie ist der wichtigste Baustein beim langfristigen Vermögensaufbau. Aktien bieten langfristig die besten Renditen, deshalb dürfen sie in keiner Strategie fehlen. Es geht aber auch um so leidige Themen wie Ehevertrag und Scheidung. Denn auch da sollten wir auf den Fall der Fälle vorbereitet sein.

 

Trotzdem nimmt das Investieren an der Börse viel Raum im Buch ein. Handeln Frauen in diesem Bereich anders als Männer?

Vermögensaufbau ohne Aktien ist in Zeiten von Nullzinsen fast nicht mehr möglich. Mit der deutschen Aktienkultur ist es leider nicht so weit her, nur jeder Sechste hat überhaupt Aktien oder Aktienfonds, weniger Frauen als Männer übrigens. Wenn Frauen aber investieren, dann machen sie das ziemlich gut. Da sie sicherheitsorientierter sind als Männer, streuen sie ihr Risiko auch breiter. Sie wählen häufiger Fonds und ETFs statt Einzelaktien. Sie informieren sich sehr detailliert und wenn sie sich dann für eine Strategie und ein Produkt entschieden haben, bleiben sie diesen auch länger treu. Sie investieren langfristiger und behalten in stürmischen Zeiten eher die Ruhe. Langfristig macht sie das zu sehr guten Anlegerinnen.

 

Welche Anlageformen/Investitionen sind Ihrer Meinung nach sinnvoll?

Ich bin ein großer Fan von ETFs, aber auch aktiv gemanagte Fonds sind sinnvoll. Von Einzelaktien würde ich vor allem Anfängerinnen eher abraten, das Risiko ist zu groß. Ich empfehle, so früh wie möglich mit Sparplänen anzufangen. Das geht in der Regel ab 25 oder 50 Euro pro Monat. Die Raten sollten dann sukzessive nach oben angepasst werden, etwa nach einer Gehaltserhöhung.

 

Was ist der wichtigste Tipp, den Sie Frauen in Bezug auf Vermögensaufbau, Geldanlage und Altersvorsorge geben können?

Kümmern Sie sich um Ihre Finanzen! Das tun Umfragen zufolge nämlich immer noch die wenigsten Frauen. Viele überlassen das auch ihrem Partner. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Deshalb: Werden Sie selbst aktiv, informieren Sie sich, fangen Sie an mit dem Vermögensaufbau. Es gibt leider keinen Königsweg zur finanziellen Unabhängigkeit, aber viele kleine Schritte. Man muss sie nur kennen.

Das könnte Sie interessieren
Börsenbuchverlag