Mit kühlem Kopf zum Erfolg

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Mit kühlem Kopf zum Erfolg

Dr. Daniel Crosby im Interview

„Der schlimmste Feind des Investors ist wahrscheinlich er selbst.“ 1949 äußerte Benjamin Graham diese Weisheit. Behavioral-Finance-Experte Dr. Daniel Crosby zeigt 70 Jahre später, wie man sich den Feind zum besten Freund macht.

 

DER AKTIONÄR: Was fasziniert Sie ganz besonders an Behavioral Finance?

DR. DANIEL CROSBY: Wenn die Finanzbranche etwas Neues entdeckt, wird es sofort aufgegriffen. Sobald eine Anomalie entdeckt wurde, hört sie häufig auf, anomal zu sein, weil jeder sie versteht und einpreist. Behavioral Finance ist jedoch einzigartig, weil menschliches Verhalten unveränderlich ist. Verhaltensanomalien können entdeckt werden, ohne dass sie „wegarbitriert“ werden können – weil etwas zu wissen und es zu tun zwei völlig verschiedene Dinge sind. Ein tiefes Verständnis des Anlegerverhaltens und des entsprechenden Investierens war, ist und bleibt der entscheidende Wettbewerbsvorteil.

 

Was ist regelbasiertes Behavioral Investing?

Es ist ein Programm, bei dem die besten Elemente des aktiven und des passiven Investment-Managements zu einem einfachen System kombiniert werden. Die bewährten Anlageparadigmen weisen einige Gemeinsamkeiten auf: Diversifizierung, geringer Umschlag, niedrige Gebühren und das Wissen, wie man Verhaltensverzerrungen ausnutzt. Anstatt mich auf die Diskussion „Aktiv versus Passiv“ einzulassen, habe ich die besten Elemente von beiden auf eine Weise kombiniert, die die Ergebnisse maximiert und die Komplexität minimiert.

 

Wie wichtig ist es, das Auf und Ab an den Börsen schon einmal mitgemacht zu haben, um Gelassenheit zu entwickeln?

Untersuchungen von Andrew Lo und seinen Kollegen zeigen, dass erfahrene Anleger schwächer auf Stress reagieren und weniger physiologische Symptome wie Schwitzen und Herzrasen zeigen. Die Geschichte kann also ein guter Lehrmeister sein, wenn es um Verhaltensfragen geht. Man muss jedoch keinen dramatischen Absturz erleiden, um aus der Geschichte zu lernen. Schlechte Erfahrungen können ebenso oft die falsche wie die richtige Lektion erteilen. Zum Beispiel könnte jemand, der seine ersten Investment-Erfahrungen in der großen Finanzkrise gemacht hat, meinen, dass „Märkte gefährlich sind und gemieden werden sollten“, und nicht „Märkte schwanken, aber es geht tendenziell aufwärts“. Anstatt den Lernprozess an die Launen einiger Marktzyklen zu koppeln, ist den meisten mehr damit gedient, sich mit Büchern über die Geschichte der Märkte zu informieren. So erhalten Sie einen umfassenden Überblick über die Investitionslandschaft, der viele Länder und Hunderte von Jahren umfasst.

 

Bitte skizzieren Sie den Auswahlprozess von Einzelaktien.

Im Buch lege ich ein System zur Evaluierung einzelner Aktien dar. Es umfasst fünf verschiedene Überlegungen, auf die ich ausführlich eingehe. Die Leser bekommen Tipps und Metriken zur Messung jedes dieser fünf „Ps“ an die Hand: Price/Preis: Sind die Aktien attraktiv gepreist? Properties/Eigenschaften: Gibt es bei den Aktien Hinweise auf Faktoren, die zu einer Outperformance führen könnten (zum Beispiel Wert oder Qualität)? Pitfalls/Fallstricke: Ist das Unternehmen anfällig für Betrug, Manipulation oder übermäßige Verschuldung? People/Menschen: Was können wir aus dem Verhalten von Insidern in puncto Kauf oder Verkauf von Aktien lernen? Push/Schub: Erfährt die Aktie derzeit positives Momentum (denn selbst großartiger Value kann über einen längeren Zeitraum dahindümpeln)?

 

Stichwort Diversifizierung: Wie viele Aktien sind für Privatanleger realistisch?

Im Buch plädiere ich für die „Goldlöckchen-Diversifikation“, die darauf abzielt, die Vorteile sowohl der Diversifikation als auch der Überzeugung zu nutzen. Mathematisch gesehen wissen wir, dass wir die meisten Diversifizierungsvorteile bei einem Index wie dem S&P 500 erzielen, wenn wir nur 25 oder 30 Aktien halten. Wenn diese 30 Aktien unter Verwendung der obigen 5 Ps rigoros überprüft werden, erstellen wir eine Art neuen Index, der auf genügend Überzeugung basiert, um die Möglichkeit einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung zu eröffnen, aber eine ausreichende Diversifikation gegen das Einzelaktienrisiko bietet.

 

Sie empfehlen einen Verhaltenscoach. Was macht einen guten aus?

Im Buch findet sich eine 10-Punkte-Checkliste für die Auswahl. Einige der Fragen, die Anleger einem potenziellen Berater stellen sollten, lauten: Was werden Sie tun, um mich davon abzuhalten, mein schlimmster Feind zu sein? Sind Sie auf einen Bereich spezialisiert? Haben Sie Referenzen? Was ist Ihre Anlagephilosophie? Wie oft werden wir kommunizieren? Ein vertrauenswürdiger Berater wird sich freuen, dass Sie ihn gefragt haben, wird sich nicht sträuben, schwierige Fragen zu stellen, und ausführliche, aber prägnante Antworten auf die oben genannten Fragen geben. Wenn er diese Fragen nicht beantwortet, bedeutet dies entweder einen Mangel an Ethik oder an Intelligenz. Beides deutet darauf hin, dass die Chemie zwischen Ihnen nicht stimmt.

 

Haben Sie auch einen Verhaltenscoach?

Ja! Obwohl ich drei Bücher darüber geschrieben habe, wie man optimale Finanzentscheidungen trifft, bezahle ich einen Ratgeber dafür, dass er mir dabei hilft, mein eigenes Verhalten zu managen. Das ist wichtig, da Bildung ein schlechter Prädiktor von Handlungen ist. Zu wissen, was das Richtige ist, und im Eifer des Gefechts das Richtige zu tun, sind zwei Paar Schuhe. Intelligente Anleger sind bescheiden genug, um zu wissen, dass sie mit einem Coach zusammenarbeiten sollten. Gutes Verhaltens-Design umfasst drei Faktoren: die richtige Ausbildung, das richtige Umfeld (in diesem Fall ein Portfolio) und ein „Just in Time“-Verhaltens-Coaching für Momente der Gier oder Angst. Die ersten beiden können Sie sich leicht selbst verschaffen, aber für das letzte Bein des Hockers müssen wir uns an einen Berater wenden.

 

Handelskrieg USA-China, Kriegsgefahr im Nahen Osten – wie soll ich als Anleger damit umgehen?

Kapitel 7 trägt den Titel „Vorhersagen sind etwas für Meteorologen“ und handelt von der Sinnlosigkeit, den Ausgang von Ereignissen wie dem gegenwärtigen Handelskrieg zwischen den USA und China vorherzusagen. David Dremans Untersuchungen zeigen, dass Wall-Street-Analysten bei 170 Prognosen nur einmal richtigliegen. Philip Tetlocks wegweisende Arbeiten über Prognosen zeigen, dass die Unfähigkeit, Ergebnisse vorherzusagen, so unterschiedliche Disziplinen wie Wirtschaft, Politik und Medizin betrifft. Prognosen sind schwierig, weil wir zweifach richtigliegen müssen: Wir müssen die Zukunft vorhersagen und die Folgen für die Ergebnisse vorhersagen.

Nehmen Sie die Wahl von Donald Trump. Kaum ein Profi erwartete, dass Trump gewinnt, und diejenigen, die es erwarteten, gingen davon aus, dass der Markt im Falle eines Wahlsiegs abstürzen würde. Sowohl der Sieg als auch die Reaktion auf den Sieg überraschten die Experten, von denen keiner beide Ereignisse korrekt prognostiziert hatte. Wenn wir noch einmal auf die Kriegsdrohung gegenüber dem Iran oder den Handelskrieg mit China zurückblicken, besteht kein Zweifel daran, dass sie negative Emotionen bei Investoren hervorrufen und die Menschen dazu veranlassen, von ihren Plänen abzuweichen. Niemand weiß aber, was passieren wird oder wie der Markt auf was auch immer reagieren wird. In solchen Fällen ist es am besten, sich an einen Plan zu halten, da die Untersuchung zeigt: Je aktiver ein Investor/Trader, desto schlechter die Performance.

 

Welches sind die nächsten Schritte, die ein Leser nach der Lektüre Ihres Buches unternehmen sollte?

Er sollte sich eine der zehn Regeln aus dem ersten Teil des Buches herausgreifen und sich darauf konzentrieren. Sobald die Regel verinnerlicht ist, fahren Sie mit der nächsten Regel fort. Das Verstehen dieser Prinzipien ist nur ein erster Schritt und das eigentliche Lernen findet statt, wenn sie täglich umgesetzt werden.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

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